Mein Abschied vom Karolinen-Gymnasium

Januar 2026

Liebe Schülerinnen und Schüler,

sehr geehrte Eltern und Erziehungsberechtigte,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

verehrte Kooperationspartner des Karolinen-Gymnasiums,

liebe Freundinnen und Freunde unserer Schule,

wie hinreichend bekannt ist, werde ich zum 01.02.2026 an das Gymnasium Edenkoben versetzt werden. Ich habe mich zu diesem Schritt entschieden, auch wenn er mir nicht leicht fällt. Aber meine einfache Fahrstrecke wird sich von 48 km auf 8 km verringern. Im Sommer 2026 kommt unser Sohn in die Grundschule und ich möchte die gesparte Fahrzeit gerne in unsere Familie investieren. Nach neuneinhalb Jahren verbinden mich mit dem Karolinen-Gymnasium zahlreiche schöne Erinnerungen und persönliche Bindungen an viele liebe Menschen. Aus diesem Grund möchte ich mich mit diesen Zeilen von euch und von Ihnen verabschieden.

Als ich das Amt des Schulleiters im Sommer 2016 antrat, waren es gefühlt noch ganz andere Zeiten. Seitdem haben sich viele Dinge in unserer Schule in einer rasanten Geschwindigkeit verändert. Das ist nicht mein Verdienst gewesen, vielmehr haben allgemeine gesellschaftliche Prozesse und eine sehr engagierte Schulgemeinschaft die Dinge vorangetrieben. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, einige Entwicklungen und Ereignisse der vergangenen Jahre zu beschreiben. Das ist mir deswegen wichtig, weil man Schulentwicklung im Alltag oft als zäh und langwierig erlebt. Wenn man dann aber mit etwas zeitlichem Abstand zurückblickt, merkt man, dass doch vieles passiert ist.

2016 gab es an unserer Schule nur langsames Internet und das auch nur in wenigen Räumen. Mittlerweile sind wir an das Glasfasernetz angeschlossen und das ganze Schulhaus ist mit WLAN ausgeleuchtet. Alle Lehrkräfte verfügen über iPads, diese können in fast jedem Raum an die Wand projiziert werden. Auch verfügen immer mehr Schülerinnen und Schüler über eigene Endgeräte. Alle Mitglieder der Schulgemeinschaft kommunizieren heute über WebUntis miteinander und sehen dort Stundenpläne und Fehlzeiten ein. Wir nutzen den Schulcampus des Landes Rheinland-Pfalz und die dortige Lernplattform Moodle. Konferenzen und Elternabende finden auch digital über Big Blue Button statt. Seit drei Jahren beschäftigt uns das Thema Künstliche Intelligenz im Unterricht und leider auch bei Prüfungen. Das alles sind Technologien, die 2016 noch nicht bei uns eingesetzt wurden und die wir heute selbstverständlich nutzen. Aus meiner Sicht als Schulleiter war es eine Herausforderung, eine heterogene Schulgemeinschaft durch diese Entwicklung zu führen. Oft standen sich in Diskussionen euphorische Befürworter mit kategorischen Gegnern einer neuen Technologie gegenüber. Ich bin dankbar, dass es die große Stärke dieser Schulgemeinschaft ist, Kompromisse zu finden, hinter denen sich viele versammeln können. Leider hat sich aber auch gezeigt, dass eine so umfassende technische Ausstattung sehr fehleranfällig und damit wartungsintensiv ist. Und wie so oft bei staatlichen Projekten wurde der Unterhalt bei der Neuanschaffung nicht ausreichend mit einkalkuliert. Das verursacht Frustration. Hier müssen Land und Schulträger dringend nachsteuern.

Getrieben wurde diese technische Entwicklung natürlich auch durch die Corona-Pandemie in den Jahren 2020-2022. Dies war eine wahrlich anstrengende Zeit für alle Beteiligten. Ich habe niemals zuvor und niemals danach so viele Dienstanweisungen des Ministeriums in so kurzer Zeit erhalten, die ich auch noch so kurzfristig umsetzen durfte. Ich habe mir neulich nochmals die Dateien von damals angesehen und bin über Stichworte gestolpert, die ich schon längst verdrängt hatte: Inzidenz, Abstandsregeln, FFP2-Masken, Einbahnstraßen im Schulhaus, Lüftungsregelungen, Fernunterricht, Ausnahmeregeln bei Versetzungen, Kontaktnachverfolgung und Meldung ans Gesundheitsamt, Quarantäneregelungen, Impfpflicht und Gruppentestungen zu Unterrichtsbeginn. Diese Aufzählung beschreibt aber noch nicht einmal im Ansatz, wie damals die persönliche Wahrnehmung der Situation war und wie belastet von Ängsten viele Menschen waren. Ich habe es in zahlreichen Gesprächen erfahren und denke noch heute mit Schaudern daran zurück. Ich bin dankbar, dass wir als Schulgemeinschaft halbwegs gut durch diese Pandemie gekommen sind. Dennoch hat sich durch sie für uns alle etwas verändert – gerade auch die Schülerinnen und Schüler erscheinen vielen Lehrkräften anders zu sein als zuvor.

Auch vom äußeren Anschein her hat sich unsere Schule gewandelt. Mit der Eröffnung des K-Baus 2021 wurde unsere Raumnot – vorübergehend – gelindert. Dieses Gebäude erfreut sich großer Beliebtheit und besticht sowohl durch seine angenehme Atmosphäre als auch durch seine technische Ausstattung. Es beinhaltet unseren Mehrzweckraum K001, der mit seiner Bühne für viele Veranstaltungen auch die gute Stube unserer Schule ist.

Unsere neue Turnhalle mit Kletterwand ersetzt seit 2020 die wirklich in die Jahre gekommene alte Halle. Sie ist im Innern so angenehm und gelungen, dass selbst die schriftlichen Abiturprüfungen darin stattfinden können. Glücklicherweise wertet der Fries mit unseren bunten Karolinen im Pop-Art-Stil den von außen schlichten Zweckbau erheblich auf.

Wenn auch unsere eigene Mensa seit ihrer Eröffnung 2018 ein dauerhaftes Provisorium zu sein scheint, so hat sie doch unseren Ganztagsbereich wirklich bereichert, weil wir die Zeiten für die Laufwege zum PIH einsparen und für pädagogische Inhalte nutzen können. Zu erwähnen ist auch, wie die Küche in der Mensa unser Schulfest erheblich erleichtert.

2016 wurde mir oft gesagt, dass das Karolinen-Gymnasium mehr für seine Außenwirkung und für seine – neudeutsch – Corporate Identity tun müsse. An dieser Baustelle hat ebenso eine Vielzahl von Menschen mitgeholfen.

Unser Logo hat in den vergangenen Jahren mehrere Variationen erlebt. Die bunten Karolinen im Pop-Art-Stil zieren mittlerweile viele Klassenräume und sind im Schulalltag allgegenwärtig. Im vergangenen Schuljahr wurde durch einen Wettbewerb zusätzlich eine Variation des Logos kreiert, die auch in Schwarz sehr ansprechend wirkt. So erscheint das Logo nun sowohl auf unserer dauerhaft zu erwerbenden Karolinen-Bekleidungskollektion als auch auf den Gläsern und Tassen für schulische Veranstaltungen.

Ebenfalls zur Außenwirkung unserer Schule trägt die tolle Homepage bei, die 2021 online ging. Sie wird von vielen Menschen immer aktuell gehalten und ist ein wirkliches Aushängeschild geworden. Erwähnen möchte ich zudem die vielen Berichte in der Zeitung „Die Rheinpfalz“, die in den vergangenen Jahren so viele Sympathieträger unserer Schulgemeinschaft in den Mittelpunkt gestellt haben.

Erheblich verändert hat sich der Bandschwerpunkt des Karolinen-Gymnasiums. 2019 wurde eine Bandklasse zum ersten Mal in Klassenstufe 5 angeboten. Mittlerweile haben wir in der Orientierungsstufe in jedem Jahrgang drei Bandgruppen und mussten unsere räumliche Ausstattung und unseren Fundus an Instrumenten erheblich erweitern. Die Aula ist selten so voll wie bei den Konzerten der Bandklassen zum Schuljahresende.

Im Bereich der Schulentwicklung ist ebenso zu nennen, dass wir 2022 Europaschule wurden und im Folgejahr auch mit der Teilnahme an dem Landesprojekt CertiLingua ausgezeichnet wurden. Seit 2024 dürfen wir am ERASMUS+ Programm der Europäischen Union partizipieren.

Rückblickend auf die Jahre erinnere ich mich vor allem aber an eine Vielzahl von schönen Ereignissen, in denen sich unsere Schule immer als eine richtige Gemeinschaft fühlen durfte. Ein besonderer Moment waren die Feierlichkeiten zum 200-jährigen Namensjubiläum unserer Schule 2018. Sowohl die Ausstellung im Erkenbert-Museum als auch der Festakt in der Aula waren phänomenal. Bei uns brauchte es aber nie Jubiläen, um etwas Besonderes zu erleben. Die alljährlichen Schulfeste, Sport-Turniere, Projektwochen, Theatervorführungen, Konzerte, Abifeiern und Abschiedsfeiern bei Schüleraustauschen führten mir regelmäßig vor Augen, wie schön Schule sein kann und warum sich der alltägliche Verwaltungsirrsinn am Ende doch lohnt. Aus solchen Momenten habe ich immer die Kraft gezogen, in der Folgewoche duldsam an der Statistik und dem Berichtswesen an die übergeordneten Behörden weiterzuarbeiten.

Wenn man mich nach einem persönlichen Gefühl fragt, das ich mit der beschriebenen Entwicklung des Karolinen-Gymnasiums verbinde, dann ist es in erster Linie Dankbarkeit. Denn diese Entwicklungen sind nicht mein Verdienst. Schule entwickelt man immer gemeinsam. Ich bin sehr dankbar für die Zusammenarbeit mit den Menschen, die ich bei diesen Entwicklungen unterstützen durfte. Unsere Schule hat immer davon profitiert, dass so viele Personen mit so großem Fleiß gemeinsam an einem Strang gezogen haben und ein wirkliches Interesse am Vorankommen unserer Schulgemeinschaft hatten. Das ist nach meinem Empfinden eines der Wesensmerkmale unsere Schule.

Liebe Schülerinnen und Schüler, ich hatte stets das Gefühl, dass ich jederzeit in jede Klasse und jeden Kurs gehen kann, um mit euch ein vernünftiges Gespräch auf Augenhöhe zu führen. Immer, wenn ich bei kleinen Konflikten oder mittleren Krisen mit einer Gruppe von jungen Menschen gesprochen habe, fanden wir eine gemeinsame Ebene, auf der wir nach Lösungen suchen konnten oder ihr auch Unterstützung annehmen konntet. Diese Beobachtung stellt letztendlich eine andere Triebfeder meiner Arbeit dar. Und gleichzeitig ist es für mich der Beleg dafür, dass alles Gequatsche über die „faule und dumme Jugend“ totaler Blödsinn ist. Im Gegenteil, die Gespräche mit euch haben mir immer gezeigt, dass hier eine Generation heranwächst, aus der irgendwann einmal mündige Bürgerinnen und Bürger werden, die ihr Land gestalten. Besonders eindrücklich zeigte sich dies auch immer in der Zusammenarbeit mit der Schülervertretung oder bei der Verleihung der Abiturpreise, die das Engagement für die Schulgemeinschaft würdigten. Im Alltag habe ich mich über jede Begegnung mit jungen Menschen gefreut und sei es auch nur, wenn mir jemand auf dem Flur ein fröhliches „Guten Morgen, Herr Bayer!“ entgegengerufen hat.

Liebe Eltern, Sie vertrauen unserer Schule Ihre Kinder an und durchleben die Schulzeit damit ein weiteres Mal – wenn auch nur mittelbar durch Ihre Kinder. Persönlichen Kontakt mit Ihnen hatte ich in der Regel in zwei Fällen. Erstens zu besonders freudigen Ereignissen, wie der Einschulung, bei Konzerten, Schulfesten oder der Abiturverleihung. Zweitens, wenn vielleicht einmal etwas in der Schule nicht so gelaufen ist, wie Sie oder ich, aber meistens wir alle uns das gewünscht hätten. Auch in diesen Gesprächen habe ich so oft das Gefühl gehabt, dass uns das gemeinschaftliche Bemühen um Ihre Kinder gute Lösungen hat finden lassen, auch wenn uns in diesen Momenten oft nicht klar war, ob unsere gemeinsamen Erziehungsversuche Erfolg bringen werden. Umso schöner waren dann die Wiedersehen bei den Abifeiern, wenn man auf das gemeinsam Durchstandene zurückblicken konnte.

Es ist mir ein großes Anliegen, auch dem Schulelternbeirat als Vertreter aller Eltern für die intensive und wertschätzende Zusammenarbeit zu danken. Diese Damen und Herren haben dieses Ehrenamt angenommen, um unsere Schule weiterzubringen. Sie haben in ihrer Freizeit für unsere Schule gearbeitet, sei es bei den zahlreichen SEB-Sitzungen, Arbeitsgruppen zur Schulentwicklung oder auch am Schulfest. Ich konnte in vielen Situationen auf ihre Beratung vertrauen und ausführliche Rückmeldungen zu schulischen Prozessen erhalten. Ohne diese Unterstützung wären viele Entwicklungen nicht so erfolgreich verlaufen – ich denke hier z.B. an die Arbeitsgruppe Digitalisierung oder den Einsatz des SEB für eine Verbesserung des Mensaessens.

Ebenfalls ein Ehrenamt übt der Vorstand des Vereins der Freunde des Karolinen-Gymnasiums aus. Ohne den Verein wären viele Dinge in unserer Schule nicht möglich. Hervorheben möchte ich die vom Verein finanzierte Schulküche, die von vielen Lerngruppen und Arbeitsgemeinschaften regelmäßig genutzt wird. Tausend Dank den aktuellen und allen ehemaligen Mitgliedern sowie den Vorständen. Ich verbinde dies – wie immer an so einer Stelle – mit dem flammenden Appell an alle Eltern der Schule, auch Mitglied zu werden. Sie tun damit wirklich Gutes.

Eine Schule ist im Wesentlichen von zwei externen Kooperationspartnern abhängig. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) trägt die Verantwortung für die Personalisierung der Schulen und übernimmt die sog. Dienstaufsicht. Ich danke von Herzen unserem früheren Referenten, Herrn Merz, und seinem Nachfolger Herrn Pape. Beide Herren haben unsere Schule in den vergangenen Jahren sehr unterstützt und ich hatte auch persönlich das Gefühl, die notwendige Beinfreiheit und das Vertrauen zu erhalten, um eine Schule verantwortungsvoll und eigenverantwortlich leiten zu können. In der alltäglichen Abwicklung der Personalia konnte ich mich stets auf Frau Streicher von der ADD verlassen. Mit ihr habe ich in den vergangenen Jahren 37 Lehrkräfte aus Planstellen verabschiedet (pensioniert oder versetzt) und 43 neu eingestellt – von den unzähligen Vertretungsverträgen ganz zu schweigen. Wenn ich mir einen Narzissmus als Chef erlaube, dann ist es der, dass ich der Meinung bin, fast immer die richtigen Menschen an unsere Schule geholt zu haben. Das ist mir sehr wichtig. Mit der Einstellung einer neuen Lehrkraft gestaltet man Schule wie sonst nie – und kann mit einem Fehlgriff Generationen von Kindern tyrannisieren. Deswegen habe ich die Personalgewinnung immer als eine meiner ganz zentralen Stellschrauben bei der Leitung dieser Schule gesehen.

Der zweite wichtige Kooperationspartner ist bei uns die Stadt Frankenthal als Schulträger. Hier hatte ich bei wirklich vielen Menschen sehr kollegiale und professionelle Unterstützung. Ich habe immer erlebt, dass sehr viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt und auch die Stadtspitze mit ihren beschränkten Ressourcen das Beste gegeben haben. Dafür bin ich dankbar. Viele Dinge wurden auch erreicht, wie ich oben schon dargestellt habe. Dennoch stellen diese „beschränkten Ressourcen“ mittlerweile ein erhebliches Problem bei vielen Schulen dar. Es geht in diesen Monaten durch die Presse: Viele Kommunen und eben auch Frankenthal haben bei den Schulen einen völlig überalterten Baubestand, der dringendst saniert werden muss. Ich kann die Frustration aller Menschen verstehen, die seit Jahren Sanierungen anmahnen und immerwährende Beschwichtigungslyrik ernten. Hier muss dringend etwas geschehen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihnen gebührt mein besonderer Dank für die vergangenen Jahre. Sie zeichnen sich durch einen unermüdlichen Fleiß, eine große Schülernähe und Fachkenntnis sowie eine enorme Hilfsbereitschaft aus. Ihr charakteristischstes Merkmal als Kollegium ist allerdings Ihre Selbstständigkeit und Ihr Selbstbewusstsein, wenn es um die Entwicklung der Schule geht. Ich musste niemals eine Schulentwicklung anordnen oder gar erzwingen. Ich konnte mich voll und ganz darauf konzentrieren, viele engagierte Kolleginnen und Kollegen bei ihren Vorhaben zu unterstützen. Und im Gegenzug habe ich das Bewusstsein genossen, jederzeit auch Unterstützung im Lehrerzimmer erfahren zu können. Bei den Prozessen der Schulentwicklung ist sich ein Kollegium von mehr als 100 Personen niemals einig – zum Glück! Wir haben in einigen Dienstbesprechungen diskutiert bis zur körperlichen Erschöpfung. Dennoch konnten wir immer Kompromisse finden, die von einer großen Anzahl von Menschen getragen werden konnten. Und egal wie unterschiedlich Sie alle in einzelnen Ansichten auch waren: Wenn es dann um ein einzelnes Kind oder einen Jugendlichen in einer Noten- oder gar Klassenkonferenz ging, habe ich zu jedem Zeitpunkt ihr gemeinschaftliches Bemühen um ein einzelnes Individuum erleben können. Das hat mich immer beeindruckt. Besonders hervorheben möchte ich noch einen anderen Umstand, der der Öffentlichkeit weitgehend verborgen geblieben ist, da das funktionierende Kerngeschäft allzu oft als selbstverständlich hingenommen wird. In meiner Zeit als Schulleiter mussten wir nie – kein einziges Mal! – Unterricht wegen des Ausfalls einer Lehrkraft innerhalb des Schuljahres längerfristig ausfallen lassen. Das ist nicht mein Verdienst, sondern der dieses Kollegiums. Ich konnte immer eine E-Mail an eine Fachkonferenz schreiben und bekam innerhalb einer Woche Meldungen, welche Lehrkraft welche Lerngruppe freiwillig durch individuelle Mehrarbeit versorgt. Das war ein wirklich sensationeller Einsatz zum Wohle unserer Schülerinnen und Schüler. Ich bin mir nicht immer sicher, ob das Land Rheinland-Pfalz weiß, welchen Schatz an Lehrerinnen und Lehrern es hat.

Vertreten wurde dieses Kollegium von einem örtlichen Personalrat, der das gesamte Kollegium in seiner Vielfalt sehr gut abgebildet hat und mir stets ein kritisch-konstruktiver Gesprächspartner war. Auch dafür bin ich sehr dankbar. Mit Peter Fuchs hatte ich acht Jahre einen Vorsitzenden des ÖPR, mit dem ich immer vertrauensvoll sprechen konnte – seiner ausgleichenden Art verdanken die Schule und ich persönlich sehr viel.

Noch intensiver war meine Zusammenarbeit mit der engeren und erweiterten Schulleitung. Ohne Karin Reißer-Mahla und ihrem Nachfolger Dr. Florian Theobald sowie Irina Kalusa und ihrer Nachfolgerin Iris Kaiser hätte ich diese Schule nicht leiten können. Meine Zusammenarbeit mit diesen Menschen war stets von einem unerschütterlichen Vertrauen gekennzeichnet. Wir saßen oft zusammen und haben um Lösungen gerungen und das gemeinsame Nachdenken hat mir persönlich das gute Gefühl gegeben, folgenreiche Entscheidungen nicht alleine fällen zu müssen. Auch der erweiterten Schulleitung gebührt mein persönlicher Dank. Am Karolinen-Gymnasium besteht heute die außergewöhnliche Situation, dass die komplette Direktorenrunde immerwährend loyal, fleißig und mit enormem Sachverstand für die Schulgemeinschaft arbeitet. Das von dieser Gruppe von Menschen bewältigte Arbeitspensum wird durch die wenigen Entlastungsstunden bei weitem nicht aufgewogen. Es gibt keinen anderen Betrieb außer Schule, bei dem die Leitungsfunktionen im Wesentlichen „im Nebenamt“ ausgeübt werden müssen. Daher danke ich von Herzen meinem Leitungsteam Nicole Balzer, Dr. Heinrich Beilmann, Kim Diep, Susanne Fleischer, Christine Regenhardt, Holger Wendler und Rita Zingler.

Undenkbar wäre meine Tätigkeit auch gewesen, ohne ein so treues Sekretariat mit anfangs noch Ute Gauer und später Christiane Wedel, aber als großer und verlässlicher Konstante Monika Hocke. Unsere Beziehung war nahezu symbiotisch und die geteilte Lebenszeit war gefühlt manchmal größer als die mit unseren Ehepartnern. Die Beschreibung der Eigenschaften einer guten Schulsekretärin könnte am Beispiel dieser drei Frauen eine ganze Enzyklopädie füllen. Ergänzt wurde das Verwaltungsteam um unsere beiden Schulhausmeister Juri König und Fabian Jäger, auf deren Hilfsbereitschaft die ganze Schule und auch ich immer bauen konnten. Herr König verabschiedeten wir im vergangenen Dezember mehr als verdient sehr pompös in den Ruhestand.

Apropos Verabschiedung: Ich habe mich entschieden, auf eine feierliche Verabschiedung als Schulleiter zu verzichten. Erstens werde ich nur versetzt und gehe nicht in den Ruhestand, zweitens liegt mir das nicht. Ich nutzte den Januar, um mich bei den einzelnen Mitgliedern der Schulgemeinschaft persönlich zu verabschieden. Meinen Abschied möchte ich als Mensch begehen und nicht in der Rolle des Schulleiters.

Zum Ende meiner Zeit am Karolinen-Gymnasium habe ich nur einen Wunsch an alle Mitglieder der Schulgemeinschaft: Bitte bringt ihr und bitte bringen Sie meinem Nachfolger das gleiche Vertrauen entgegen, das ich immer erfahren durfte. Als Schulleiter konnte ich mir meinen Nachfolger natürlich nicht aussuchen. Ich freue mich aber, dass ADD und Ministerpräsident die Personalentscheidung getroffen haben, die ich auch getroffen hätte. Ich kenne Peter Graff schon seit Jahren und habe vollstes Vertrauen, dass er das Karolinen-Gymnasium mit viel menschlichem Einfühlungsvermögen, enormer Sachkenntnis und unbremsbarer Innovationsfreude voranbringen wird. Ich bin überzeugt, dass er der Richtige für unsere Schule ist.

Das Karolinen-Gymnasium ist eine unglaublich tolle Schule mit so vielen liebenswerten Menschen. Ich bin dankbar, dass ich hier neuneinhalb glückliche Jahre verbringen durfte. Ich wünsche euch und Ihnen alles Gute.

Dr. Christian Bayer